Im Lengefelder Rathaus sind die Bleistifte in diesen Tagen gut gespitzt. Es muss gespart werden. Grund ist ein drastischer Einbruch bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt noch mit 1,6 Millionen Euro gerechnet. Kurz vor dem Jahreswechsel kam dann die Nachricht: Für 2011 fließen voraussichtlich nur 1,078 Millionen Euro in das Stadtsäckel – das ist ein Drittel beziehungsweise 522.000 Euro weniger als erhofft.
Das wird sich im nächsten Haushalt niederschlagen. Bei den Gewerbesteuereinnahmen plant die Stadtverwaltung für 2012 gegenüber dem Vorjahr 800.000 Euro weniger ein. Nun muss bei vielen Posten neu gerechnet werden, daher verzögert sich die Aufstellung des Haushaltplans. Andere Kommunen wie Seiffen haben ihren Etat bereits beschlossen. In der Stadt zwischen den drei Talsperren erfahren die Mitglieder des Stadtrats unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Dienstag erstmals, was die Verwaltung plant, um das Loch in der Kasse auszugleichen.
“Das hat uns zurückgeworfen”, räumt Lengefelds Bürgermeister Ingolf Wappler (CDU) ein. “Es ist eine Situation, für die die Stadt nichts kann. Jetzt müssen wir versuchen, damit klarzukommen.” Über die Gründe für den Einbruch bei der Gewerbesteuer, die sich aus dem Gewinn der Gewerbebetriebe ergibt, darf sich die Stadtverwaltung nicht äußern. Nur soviel: “Es ist nicht konjunkturell bedingt”, so Wappler.
Dass es so kommt, wurde erst kurz vor dem Jahreswechsel deutlich. Allein im letzten Quartal 2011 waren erhoffte 400.000 Euro aus der Gewerbesteuer nicht geflossen. Als Folge musste Lengefeld gar eine Haushaltssperre aussprechen. Dabei wird die Schwelle, bis zu der die Angestellten der Stadt in ihrem Ressort eigenständig über Ausgaben entscheiden können, deutlich gesenkt. Schon bei geringeren Geldbeträgen als zuvor haben dann gestaffelt die Amtsleiter, der Bürgermeister oder der Stadtrat das letzte Wort.
Noch steht der Haushaltsentwurf nicht. Klar ist aber bereits, dass die Auswirkungen nicht völlig abgefedert werden können. Bevor die Stadt die Nachricht erhielt, waren im Jahr 2012 in Lengefeld Investitionen von knapp zwei Millionen Euro vorgesehen. “Daran wollen wir grundsätzlich auch nicht rütteln”, sagt Ingolf Wappler. “Wir haben für alle Baumaßnahmen schon die Fördermittelbescheide bekommen. Es wäre ungünstig, darauf zu verzichten.” Ein Großteil der Vorhaben soll daher umgesetzt werden. “Aber es ist gut möglich, dass wir Einiges schieben oder teilen müssen, also dieses Jahr beginnen und 2013 fortführen.”
Es müsse an anderer Stelle gespart werden. Klar sei, so Ingolf Wappler, dass Geld aus der Rücklage der Kommune entnommen werden muss: “Aber das hatten wir sowieso für 2012 geplant.” Außerdem wird derzeit jede Ausgabe im Etat genau betrachtet. “Wir werden im Verwaltungshaushalt stark sparen müssen.”
Nach der Sitzung am Dienstag werden die Stadträte über den Etat beraten. Geplant ist, dass der Stadtrat in seiner Sitzung am 13. März den Haushalt beschließt.
Quelle: Freie Presse von Kathrin Weigert



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